Es gibt einen Moment in meinem Atelier, der sich jedes Mal wie ein Wagnis anfühlt: Der Moment, in dem ich das, was ich gerade erschaffen habe, wieder zerstöre. Mein Professor war fasziniert von diesem ständigen Entstehen und Vergehen auf meinen Leinwänden. Doch für mich ist es kein theoretisches Konzept. Es ist eine physische Notwendigkeit. Ich trage Schichten auf, baue Farben auf, nur um sie dann wieder zu zerstören. Mit einfachen Werkzeugen wie Spachtel, Farbrolle oder einem stinknormalen Haushaltsschwamm verändere ich die Srukturen , hinterlasse ichSpuren auf der Leinwand, wie das Leben Spuren auf dem Menschen hinterlässt. Um zur Wahrheit eines Bildes vorzudringen, muss ich die Kontrolle abgeben. Ich nehme den Spachtel und kratze in die nasse Farbe, oder ich greife zu einem ganz einfachen Haushaltsschwamm, um das gerade Gemalte wieder auszuwaschen. Es ist ein Akt der Destruktion, der wehtun kann, aber er ist heilsam. Durch das Abreiben und Freilegen entstehen Strukturen, die ich niemals hätte planen können. Es bleiben Schatten der vorherigen Schicht zurück – wie Erinnerungen, die man nicht ganz löschen kann, die aber das Fundament für das Neue bilden. Heilung ohne Glättung. Was nach diesem "Kampf" mit dem Material übrig bleibt, wird veredelt. Das Gold in meinen Bildern ist kein bloßer Schmuck. Es ist das Material, das die Narben dieses Prozesses feiert. Ich glätte die Spuren meiner Arbeit nicht. Ich lasse die Risse und die abgeriebenen Stellen stehen. Denn Heilung bedeutet für mich nicht, dass der Schmerz verschwindet, als wäre er nie dagewesen. Heilung bedeutet, dass wir die Brüche annehmen und ihnen durch die Transformation eine neue Würde verleihen. „Echte Tiefe entsteht nicht durch das Hinzufügen, sondern oft durch das, was wir bereit sind wegzunehmen.“ Meine Kunst ist kein Abbild der Oberfläche. Sie ist eine sichtbare Form von innerer Wandlung – Schicht für Schicht, Riss für Riss, bis das Gold den Schmerz in Resilienz verwandelt.