Ankommen im Atelier und warum es manchmal reicht, einfach da zu sein
- sschollas
- 13. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Da zu sein

Es fällt mir gar nicht schwer, Geschichten zu finden.
Sie sind einfach da.
Oft beginnen sie schon im Kopf.
Noch bevor ich überhaupt im Atelier bin.
Manchmal mit Musik.
Manchmal vergesse ich sie auch anzumachen.
Es kommt darauf an, wie ich dort ankomme.
Es gibt Tage, da zieht es mich ins Atelier.
Ein richtiges Drücken.
Dann beginnt alles schon auf dem Weg.
Gedanken. Bilder.
Alles ist schon da.
Und wenn ich dann oben ankomme, ist alles andere nur im Weg.
Keine Rituale.
Kein Ankommen.
Einfach anfangen.
Und dann gibt es diese anderen Tage.

Da gehe ich bewusst hoch.
Ich ziehe die Schuhe aus.
Binde mir die Schürze um.
Mache Musik an.
Räume den Tisch auf.
Ich mache Platz.
Nicht nur für die Leinwand.
Auch für mich.
Ich höre oft Radio.
Ich mag es, den Stimmen zuzuhören.
Zu merken, dass ich manche Nachrichten schon kenne.
Dann denke ich manchmal:
Heute scheint es ein guter Tag zu werden.
Wenn ich arbeite, arbeite ich schnell.
Sehr schnell sogar.
Aber dazwischen gibt es lange Pausen.
Denkpausen.
Sehpausen.
Ich schaue.
Ich gehe weg.
Ich komme wieder.
Schon im Studium war das so.
Viele haben sich gerieben.
Diskussionen geführt.
Stundenlang.
Ich nicht.
Ich habe gearbeitet.
Gezeigt.
Zuhören wollen.
Und dann weitergemacht.
Ich habe mir Input geholt.
Überall.
Mit allen, die da waren.
Mein Professor hat sich gewundert:
Dass ich so wenig im Atelier bin –
und trotzdem am Ende etwas da ist.
Nach solchen Tagen war mein Kopf voll.
So voll,
dass ich manchmal mit Navi nach Hause fahren musste.
Weil ich sonst einfach weitergedacht hätte
und an der Ausfahrt vorbeigefahren wäre.
Ich habe lange gedacht,
dass ich mehr tun muss.
Mehr arbeiten.
Mehr leisten.
Heute weiß ich:
Manchmal geht es nicht ums Tun.
Sondern darum,
da zu sein.



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